Psychosynthese – Heilung auf drei Ebenen

Dr. Kristina Brode

Was ist Psychosynthese?

Eine Therapiemethode?

Ein pädagogisches Konzept?

Ein Lernmodell?

Eine wachstumsfördernde Haltung?

Gelebte Salutogenese?

Garant für stufenweises Erwachen zum vollen Potenzial des Selbst?

Oder ist es alles in einem?

Also Synthese?

Vor über hundert Jahren von Roberto Assagioli, einem italienischen Arzt und Analytiker, entwickelt, konnte sein Gedankengut erst mit dem Auftauchen der Transpersonalen Komponente in der Psychotherapie (in den 60er Jahren)  richtig erfasst und gewürdigt werden. In seinen frühen Jahren, im Kontakt mit Freud, aber vor allem mit C.G. Jung, war seine Methode des Zugangs zu unseren höchsten Anteilen revolutionär. Das „Numinose“ war greifbar, begreifbar geworden.

Oft ist man versucht, die Psychosynthese an ihrem Gegenteil zu erklären: im Vergleich mit der Psychoanalyse. Statt der Fehlersuche der Analyse: Wo komme ich her? Wer hat mir das angetan? Warum bin ich so geworden?  geht es hier um die Freilegung  und Integration der Potenziale: Wo will ich hin? Werde was Du bist. Die Gewissheit, alles ist schon in mir vorhanden und strebt zu seiner Entfaltung, bildet die Haltung und Basis, die ein vertrauensvolles, wertschätzendes Feld zwischen Klient und Begleiter schafft.

Das stufenweise Erwachen geschieht auf drei Ebenen:

Stundenglas-Modell

  1. Persönliches Bewusstsein
  2. Erkennen, Verstehen und Annehmen und damit befrieden und versöhnen meiner inneren Anteile (Teilpersönlichkeiten) stehen im Vordergrund. Aufgabe dabei ist es,  diese oft im frühen Kindesalter erworbenen  Bewältigungsstrategien, durch erwachsenere ersetzen. Hinderliche Selbstkonzepte und Traumaspeicher gilt es zu löschen. Die verborgenen Geschenke der alten Strategien werden gewürdigt und befreit. Dahinter steht die Entdeckung: das bin ich und noch viel mehr. Es wächst die Selbstliebe.

  1. Seelenbewusstsein
  2. Hartnäckige Muster, immer wiederkehrende  „Fehlleistungen“ deuten darauf hin, dass wir Muster in dieses Leben mitgebracht haben.

    Wir sind  nicht als „unbeschriebenes Blatt“  in dieses Leben gekommen. Anlagen, Ahnenhypotheken sind unser Erbe.

    Das „Herunterladen“ und Bewusstmachen und Heilen von Ahnenmustern führt zu Versöhnung  und Entlastung im Hier und Jetzt. Es entsteht ein größerer Entwicklungs- und Freiraum in meinem Leben.

  1. Kollektives Bewusstsein
  2. Unsere Verbindung mit dem Menschheitserbe des Kollektiven Unbewussten ist größer als wir denken. Die „Bewohner“ des Kollektiven Unbewussten, die Archetypen fordern unsere Aufmerksamkeit genau so ein, wie unsere Teilpersönlichkeiten im eigenen Unbewußten.  Sie rufen ebenso nach Akzeptanz und Befriedung.

    Die Allverbundenheit, die Mystiker und Philosophen seit Jahrtausenden postulieren, werden uns heute ganz praktisch durch Technik und  „Globalisierung“  vorgeführt. Sie zeigen uns wie abhängig und verbunden wir sind und damit unglaublich verwundbar. Solange wir nicht unsere Verantwortung füreinander annehmen und damit unsere Stärke, muss dieser Gedanke  der Verbundenheit und gegenseitigen Beeinflussung  Angst machen.

    Hier stellt sich also die Frage:

    Was braucht Erlösung?

    Wenn es auf der ersten Ebene um Erlösung von eigenen Annahmen und Überzeugungen ging, auf der zweiten um Erlösung von den Bannsprüchen von Eltern und Vorfahren, geht es auf der dritten Ebene um Erlösung von den Flüchen der Menschheitsgeschichte in den großen Menschheitsmythen. Archetypen wollen verstanden und gewürdigt und integriert werden.

Methoden des Arbeitens auf allen Ebenen:

Mit dem Gedächtnis des Körpers durch

  • Entspannung
  • Visualisierungen
  • Traumarbeit und Traumarbeit
  • Innere Dialoge

Mit dem Gedächtnis der Seele durch

  • Aufstellungen
  • Rückführungen
  • Regressionsarbeit
  • Karmische Verträge auflösen

Mit dem Gedächtnis der Menschheit

  • Mythenarbeit
  • Held oder Heldin im eigenen Leben werden
  • Meinen Beitrag zum Ganzen zu entdecken

Wie die Neurowissenschaften uns in letzter Zeit belegen, geschieht Heilung  zuerst im Bewusstsein. Unser verändertes Bewusstsein wirkt dann „zelltief“ weiter.

Da in den Sitzungen und Workshops die Begleiter keine Interpretationen liefern, sondern eigenes Erfahren und Erleben ermöglichen, führt die eigene gefühlte Wahrheit schnell zu Erkenntnissen und  einer Rückkehr der Eigenmacht. Die direkte, zelltiefe Erkenntnis führt dazu, dass  ich nicht lange vorbeischauen kann. Lösungen können nicht übersehen werden.

Diese Arbeit ermächtigt uns, unser Leben kreativ zu leben.

Die Effizienz und Geschwindigkeit der Interventionen kommt unserer immer schneller werdenden Zeit, unserem beschleunigten Leben entgegen. Wir  haben keine Zeit mehr (und auch nicht das Geld), uns jahrelang auf die Couch zu legen und Nabelschau zu halten.  Es wird Zeit „frei“ für uns.

Pia Gyger zitiert Aurobindo: „Erlösung  ist physisch. In der Tiefe unserer Zellen schlummert das höchste Bewusstsein.“

Und dieses höhere Bewusstsein lässt uns eintauchen in die Zeitlosigkeit – in die Ewigkeit.